Es war in den viel zu frühen Morgenstunden, als die Tür einer kleinen muffigen Dachkammer im Dornenhof äußerst geräuschvoll aufgerissen wurde. Ruin hatte den betrunkenen Halbelfen bereits (im Dämmerschlaf) die Treppe hinauf stapfen gehört. Doch nun war sie wach. “Thali!” zischte sie ihn zornig an. Doch er glotzte nur mit starrem Blick in ihr Gesicht und wandte sich dann träge seiner eigenen Schlafstelle zu. Für wie viele Münzen hatte er wohl wieder in der Taverne gezecht? Ruin verfluchte Thali, gerade heute musste sie gut in Form sein. Im Gegensatz zu ihm versuchte sie, ihre Einkünfte für eine Verbesserung ihrer Lebenssituation zusammenzuhalten. Natürlich waren ihre bisherigen “Ersparnisse” erbärmlich. Und vielleicht war Thalis Einstellung, im Hier und Jetzt zu leben tatsächlich die vernünftigere. Und doch war da dieser kleine Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten. Ruin drehte den Kopf in Richtung ihres anderen Gefährten. Zander hatte einen äußerst festen Schlaf. Und so riskant dies auch sein mochte, manchmal beneidete sie ihn, um diese Fähigkeit ungestört zu schlafen. In wenigen Stunden würden sie beide gemeinsam aufbrechen, um ihrem jeweiligen Tagwerk nachzugehen. Den Magen halbwegs gefüllt mit unterdurchschnittlichem Haferschleim und jeweils einem halben Laib trockenen Brotes in der Tasche, verabschieden sie sich an der Kreuzung, die Zander zu einer kleinen Schmiede führte und Ruin im Strom der Menge zur Apotheke “Staub und Asche” trug. Doch Ruins Gedanken waren bereits bei dem, was am Abend auf sie warten würde. Vielleicht würde dieser nächste Auftrag sich endlich etwas auszahlen. Mit Sicherheit wird die kommende Nacht wohl wesentlich kürzer als die letzte…

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Thali